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  • Genio Futurista im Museum Ara Pacis, Kuratorin Orietta Rossini

Die 2000 Jahre, die die Ara Pacis vom Genio Futurista trennen, können mit den Augen des Künstlers betrachtet, der „dem Unsichtbaren Gestalt verleihen“ will, zu Nichts werden: Neben seiner äußeren Erscheinung, macht der römische Altar das Wesen des augusteischen Genies in derselben Weise sichtbar, wie Balla versucht, das vom Futurismus verkörperte dynamische Bild des italienischen „Genies“ einzufangen.
Das Schicksal wollte es, dass sich die Wege des römischen und futuristischen Genies während der faschistischen Ära kreuzten: Zuerst gepriesen und hofiert von der Rhetorik des Regimes, später instrumentalisiert und im Wesentlichen von seiner Propaganda verraten. Heute begegnen sich zwei Symbol-Werke dieser Epoche erneut und aus ihrer Nähe entspringen neue Bedeutungen.
Das Wort „Genie“ teilt seine Wurzel mit dem lateinischen gigno ([er]zeugen, gebären) und mit gens (Geschlecht, Familie, Volk). Das „Genie“ - eines Menschen ebenso, wie einer Nation - bestimmt über das Leben und das Schicksal, es lebt jenseits des Individuums fort und macht aus einer Gemeinschaft ein einziges Volk. Unter den Personen, die die Prozession am Ara Pacis bilden ist die Gens Iulia (Julier) abgebildet, die Familie von Cäsar und Augustus, denen es bestimmt war, Rom aus der Republik zum Kaisertum zu führen und die Weltherrschaft zu sichern. Die Ara Pacis ist eine Hymne an das Goldene Zeitalter Roms, an die Fülle der von Augustus zurückgegebenen Tempel, an jenen maßvollen, gesetzestreuen und traditionsbewussten Herrscher. Der Zauber hielt nicht lange vor, vielleicht war er nie real, aber unter Augustus lernten die Römer zum ersten Mal in der Geschichte, dem Genie des Kaisers im Kult zu huldigen.
Andererseits vergehen keine 2000 Jahre, ohne ihre Spuren zu hinterlassen.
Der Optimismus der Ara Pacis kommt durch die an der Basis des Altars durch Akanthusranken „sichtbar gemachte“ zyklische Zeit zum Ausdruck, die in einer Spirale wachsen und, wie der endlose Zyklus der Jahreszeiten oder der Natur, zu sich selbst zurückkehren. Der augusteische Optimismus nimmt die gelassenen Umgangsformen des reifen Herrschers an, er ist sich dessen bewusst, dass alles im Flusse ist, alles zurückkehrt und nichts für immer verlorengeht. Der Optimismus des italienischen und futuristischen Genies von Giacomo Balla tritt hingegen im festgesetzten Moment des Erscheinens hervor, in seinem explosiven Auftreten. Es ist jugendliche, an der Quelle geschöpfte Energie, die sich ausbreitet und nach außen ergießt. Der Genio Futurista spricht zu seiner Generation von der Stärke im Hier und im Jetzt.
Zwei Mittel, das Wesen des „Genies“ sichtbar zu machen: die reine Form des Klassikers und der dynamische Vorstoß der Avantgarde.

Dr. Orietta Rossini,
Verantwortliche Koordinatorin am Museum Ara Pacis

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